Sündhafte Vergnügen

Klatschzeitschriften, Trash-TV, Schnulzromane: Warum schämen wir uns ohne Not für manche Vorlieben? Über „Guilty Pleasures“ – und ihren Nutzen.

Ein Mann fühlt sich ertappt, während er im Fernsehen das Dschungel-Camp läuft
Wenn wir bei unseren „guilty pleasures“ erwischt werden, fühlen wir uns peinlich berührt. © Martin Krusche

Der Schauspieler Ulrich Matthes hat sich kürzlich öffentlich zu einer lange verheimlichten Leidenschaft bekannt. „Ich erinnere mich, dass ich als Jugendlicher keinem, wirklich keinem meiner Kumpels zu erzählen gewagt hätte, dass ich mit allergrößter Begeisterung sonntags mit Eltern und Bruder alte Hollywood-Musicals (Fred Astaire, Gene Kelly und Co.) schaute“, schrieb er in einem Beitrag für die Wochenzeitung Die Zeit. Auch wenn nicht jeder Matthes’ Neigung teilen wird – die Situation als solche dürften viele Menschen kennen. Manchmal konsumieren wir gerne Medien, die als eher seichte Unterhaltung gelten, als qualitativ fragwürdig oder von anderen sogar schlicht als „Schrott“ angesehen werden. Oft begleitet uns dabei eine widersprüchliche Mischung an Gefühlen. Wir genießen diese Zeit zwar, schämen uns aber zugleich ein bisschen dafür.

Im angelsächsischen Raum, aber auch bei uns hat sich für dieses Phänomen der Begriff guilty pleasure durchgesetzt, was man am ehesten mit „sündhaftes Vergnügen“ übersetzen könnte. Darunter werden Tätigkeiten zusammengefasst, die wir mögen, bei deren Genuss wir uns aber gleichzeitig schuldig fühlen – als würden wir etwas tun, das eigentlich verboten ist oder zumindest zu verpönt, um sich offen dazu zu bekennen. Woher rührt diese Verklemmtheit im Umgang mit Vorlieben, die doch offensichtlich niemandem wehtun oder anderweitig Schaden anrichten? Warum stehen wir nicht zu unseren Leidenschaften, wenn sich doch angeblich über Geschmack nicht streiten lässt?

Stereotypes Zielpublikum

Eine große Rolle scheint das Bild zu spielen, das wir von uns selbst haben. Dieser Ansicht ist auch der Philosoph Kris Goffin, der derzeit am College Birkbeck der Universität von London forscht. Er hat vor kurzem mit seinem Schweizer Kollegen Florian Cova…

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