Generation Y: Die Egotaktiker

Pragmatisch und flexibel in eine ungewisse Zukunft: Die „Ypsiloniker“ passen sich einer Zeit im Wandel an – und verändern so die Gesellschaft.

Eine Gruppe von jungen Menschen sitzen gut gelaunt und lachend, mit ihren Smartphones in den Händen, auf einem Sofa
zwar nicht in die digitale Welt geboren, aber hineingewachsen – die Generation Y kennt beides und ist dadurch extrem flexibel. © Delmaine Donson

Schon lange stand keine junge Generation mehr vor so gewaltigen Herausforderungen wie die Generation Y. Von ihren Eltern behütet und gefördert wie keine andere vor ihr, könnten die Ypsiloner die Ersten seit dem Zweiten Weltkrieg sein, für die das Versprechen auf immer mehr Wohlstand tatsächlich nicht mehr gilt: Die Zahl sozialversicherter Vollzeitjobs für Berufseinsteiger nimmt ab, die Mieten steigen, und die Ankündigung, die Renten seien sicher, scheint heute aus einer anderen Zeit.

Das „Y“– im Englischen ausgesprochen wie why – ist der Buchstabe, der diese Generation medial auf den Punkt bringen soll. Die Frage nach dem Sinn wird zum Merkmal einer Generation. Die Generation Y ist die kleinste, die die Bundesrepublik je gesehen hat. Ihre Mitglieder sind aktuell zwischen 15 und 30 Jahre alt. Diese Generation besteht aus den ersten Digital Natives, die online aufgewachsen sind. Computer, Tablets und Smartphones gehören für sie genauso selbstverständlich zum Alltag wie Google, Apple und Facebook. Letzteres, das inzwischen weltweit größte soziale Netzwerk mit über einer Milliarde Mitgliedern, erzielte in ihrer Kinder- und Jugendzeit seinen Durchbruch.

Neben den technischen Umwälzungen erleben die jungen Leute im Vergleich zu ihren Eltern und Großeltern eine veränderte wirtschaftliche und politische Lage. Ein viel zu großer Teil der Schulabsolventen hatte bis vor kurzem keine Chance, einen Ausbildungs- und späteren Arbeitsplatz zu bekommen. Die Älteren von ihnen, die 1985 geboren wurden, müssen hinnehmen, dass 20 Prozent eines jeden Jahrgangs keinen beruflichen Ausbildungs- und Arbeitsplatz erhalten. Nur noch ein Teil der Generation Y kann den traditionellen Mustern von Beruf und Karriere folgen. Mindestens ein Drittel muss mit Teilzeitjobs und Kettenverträgen rechnen oder wird vorübergehend arbeitslos. Mit der Ungewissheit groß zu werden, dass völlig offen ist, ob man nach Schule und Ausbildung wirklich einen passablen Job findet, wird zu einer Grunderfahrung. Eine sichere Lebensplanung ist unter diesen Umständen unmöglich. Im Jahr 1960 hatten in den USA etwa 70 Prozent der 30-Jährigen die Hürden zum Erwachsenwerden genommen: Sie verfügten über eine abgeschlossene Ausbildung, eine eigene Wohnung und finanzielle Unabhängigkeit, waren verheiratet und hatten Kinder. Heute sind es nur 15 Prozent, die alle diese sozialen Meilensteine passiert haben, und auch in den folgenden Lebensjahren ist nicht garantiert, dass die anderen alle nachfolgen können.

Alle Optionen offenhalten

In dieser Situation müssen die Ypsiloner eine Persönlichkeit entwickeln, die es ihnen erlaubt, auf die Veränderungen zu reagieren, ohne sich von ihnen treiben zu lassen. Die Generation Y ist eine Generation der Realisten. Sie ist nüchtern und genau in der W…

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Gesellschaft
Die Jahre zwischen 20 und 30 gelten als die schönsten im Leben. Tatsächlich erleben viele junge Menschen diese Zeit aber als extrem anstrengend: Gerade bei…
Gesellschaft
Erstmals seit langem gibt es wieder einen Generationenkonflikt. Doch er ist anders, sagt Jugendforscher Klaus Hurrelmann.
Familie
Eigentlich waren die Kinder längst aus dem Haus, doch dann wollen sie auf einmal zurück ins alte Kinderzimmer. Manche kommen aus Bequemlichkeit, andere treibt…
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Mut zur Veränderung: Psychologie Heute 10/2014
Psychologie Heute Compact 66: Meine Wohnung und ich
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Leben
Sorgenschleifen können sich verselbstständigen und großen Einfluss auf unser Leben haben.
Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Leben
Warum sind wir so gehetzt? Wir haben ein Gespür für den Geldwert, nicht aber für den Zeitwert unseres Tuns. Wie wir unseren Zeitwohlstand mehren.