Der Zeitgeist ist wieder da!

Lange galt er als unwissenschaftliches Konzept ohne Erklärwert. Inzwischen erlebt der Zeitgeist eine Renaissance. Ticken Menschen jeder Ära anders?

Ein Mann und eine Frau im 80er-Jahre-Look machen Aerobic
Jedes Jahrzehnt hat nicht nur seinen unverkennbaren Look, sondern auch ein spezielles Mindset – den Zeitgeist. © Dennis Hallinan/Getty Images

Rock ’n’ Roll, Petticoat, das Wunder von Bern: Es braucht nicht viel, um die 1950er Jahre vor dem inneren Auge auferstehen zu lassen. Für die Sechziger stehen Woodstock, Vietnam, Weltraum und die Pille, für die Siebziger Schlaghose, Ölkrise, RAF und „Atomkraft? Nein danke“. Die Achtziger waren das verlorene Jahrzehnt, eine Dekade der Angst und der Sinnkrise, meint der Autor und Werbetexter Frank Jöricke. Die Neunziger seien wirr gewesen, aber außer dass wir seither nicht mehr wissen, wer die Guten und wer die Bösen sind, gar nicht so schlecht. Ganz anders als die Nullerjahre, die mit al-Qaida und Börsenturbulenzen bis heute nicht zu enden scheinen.

Jöricke nennt sich einen Jäger des verlorenen Zeitgeists. In der Tat: Vom Zeitgeist ward lange nichts gehört. Der Begriff kam aus der Mode, als die Diktatoren der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ihn allzu unverblümt vor ihre Karren spannten. In der Wissenschaft stören seine unscharfen Grenzen zu größeren Einheiten wie den Epochen oder kleineren wie Trends oder Moden. Doch je schnelllebiger, globalisierter und unübersichtlicher sich die Gegenwart präsentiert, desto attraktiver erscheint die Idee, es gebe in all dem Durcheinander um uns herum doch so etwas wie einen roten Faden, eine Idee, eine treibende Kraft, die sich aufspüren und ausbuchstabieren lässt.

„Der Zeitgeist ist eine Heimat in der Zeit. Es ist der Versuch, im sprichwörtlichen Fluss der Zeit eine insuläre Größe auszuzeichnen und zu sagen, das ist unsere Zeit, unsere Gegenwart, und wir sind jetzt Zeitgenossen“, erklärt Ralf Konersmann, Professor für Philosophie an der Universität…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2014: Trennung?
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