Im Takt des Gartens

Gärtnern hat etwas Therapeutisches, denn es verankert uns im Rhythmus des Lebens. Es ist eine Auszeit vom Sprint auf dem Zeitstrahl.

Die Illustration zeigt einen üppigen Garten mit Gartengeräten und grün gestreifte Gießkanne
Illustration: Christina Gransow © Christina Gransow

Wenn das Leben sich aufzulösen scheint, kann die Beschäftigung mit dem Garten uns wieder auf die Beine bringen. Vor ein paar Jahren, als ich mich nach einer mit beruflichem Stress verbundenen längeren Krankheit wieder erholte, durfte ich dies selbst erfahren.

Als der Herbst voranschritt, hoffte ich, meine Lebenskräfte wiederzuerlangen, doch vergeblich. Den ganzen Winter über konnte ich diese Lethargie nicht abschütteln, und so ging es immer weiter bis Anfang März. Gewöhnlich hält mich nichts im Haus, wenn das Frühjahr vor der Tür steht, und ich eile ins Gewächshaus. Aber dieses Jahr war es anders. Obwohl ich schon vor langer Zeit verschiedene Samen bestellt hatte, blieben sie in ihrer Verpackung.

An einem Wochenende schlug Tom morgens vor, dass wir gemeinsam das Gewächshaus in Ordnung bringen. Es bedurfte dringend einer Reinigung. Wir machten uns an die Arbeit, fegten dürres Laub zusammen und räumten zerbrochene Töpfe und all die Überreste des vergangenen Jahres weg. Dann ordneten wir die Pflanzen auf den Stellagen neu und füllten die Blumentöpfe mit frischer Erde auf. Als wir damit fertig waren, begann ich damit, meine Samenpackungen durchzusehen, und zum ersten Mal überlegte ich, was ich säen wollte.

Von der Außenwelt abgeschnitten

Am nächsten Tag ging ich direkt nach dem Frühstück hinaus zum Gewächshaus, mit dem Plan, ein paar Saatkästen anzulegen. Plötzlich verspürte ich das dringende Bedürfnis, die Samen in die Erde zu bringen. Trotz meiner Müdigkeit arbeitete ich, als ob es...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2021: Wege aus der Depression
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