Die Kunst des Aufgebens

Ein Ziel aufzugeben fällt oft schwer. Aber wer sich von Vorhaben trennen kann, die nicht mehr ins eigene Leben passen, schafft Platz für Neues.

Muss ich wirklich durchhalten? Nicht unbedingt. Ein Ziel aufzugeben ermöglicht manchmal einen Neustart. © Oliver Weiss

Nach Island auswandern – das war für Madeline Jost und ihren Freund Jan Wölke der ganz große Traum. Die schreibende Fotografin (31) und der Musiker (37) aus Hamburg waren 2016 sechs Monate lang mit einem kleinen Wohnmobil kreuz und quer über die Insel im Atlantik gefahren und hatten auf ihrem Blog Soundtracking die Musikszene des Landes dokumentiert. Danach war ihnen klar: Wir wollen auf Dauer auf Island leben. Zurück in Deutschland, stürzten sie sich in die Organisation. Mithilfe isländischer Freunde fanden sie ein altes Bauernhaus, das sie kaufen wollten, um daraus ein kleines Museum mit angeschlossener Zimmervermietung zu machen. Sie verhandelten mit den Eigentümern, engagierten Handwerker und bereiteten den Umzug vor.

Anfang 2017 schien der Traum greifbar nah. Der Hausrat war verpackt, nur der endgültige Zuschlag für das Haus fehlte noch. Und dann kam der große Rückschlag. Die Eigentümer teilten ihnen mit, sie würden das Anwesen nun doch an die lokalen ­Bauern verkaufen. Vier Monate hatte das Paar geplant und organisiert, und nun stand es auf einmal mit leeren Händen da. Was tun? Aus Sorge, auf der Insel kein ähnlich attraktives und erschwingliches Objekt zu finden, verzichteten sie darauf, nach Alternativen zu suchen und noch mehr Zeit und Energie zu ­investieren. „Wir waren traurig und verzweifelt“, erzählt Madeline. „Dennoch beschlossen wir, den Traum von Island aufzugeben.“

Wenn man dem berühmten Football-Coach ­Vincent Lombardi glaubt, dann sind Leute wie ­Madeline Jost und Jan Wölke Verlierer. Der 1970 ­verstorbene Amerikaner hat den Spruch geprägt: „Gewinner geben niemals auf, und Leute, die aufgeben, gewinnen nie.“ Damit hat er das Ideal der westlichen...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2019: Die Kunst des Aufgebens
file_download print