Gemeinsam heilsam

Psychotherapie in Gruppen ist so wirksam wie Einzeltherapie. Doch ambulant wird sie kaum angeboten. Das soll sich ändern.

Die Illustration zeigt einen großen Frauenkopf mit einer blauen Träne, der umringt ist von einem Stuhlkreis auf denen Personen sitzen und zuhören
Viele Patienten haben heute Vorbehalte. Dabei liegt die wilde Zeit der therapeutischen Gruppen lang zurück. © Karsten Petrat

Sie haben alle selbst massive Probleme und sollen sich doch gegenseitig helfen – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Gruppentherapie in einer psychosomatischen Klinik. Die Medizinstudentin geht mög­lichst nicht in ihre Seminare, weil sie dort Panikattacken erlebt hat. Außerdem hadert sie mit sich, ob sie nicht lieber schwanger werden sollte, statt das Studium zu beenden. Die Polizistin hat eine Essstörung sowie eine Reihe gescheiterter Beziehungen und erfolgloser Therapien hinter sich. Die 58-Jährige leidet seit ihrer Kindheit an den Folgen eines Traumas. Der Diplomingenieurin wurde wegen ihrer Borderline-störung gekündigt. Der Informatikstudent begreift immer noch nicht, warum seine Freundin ihn vor zwei Jahren verlassen hat, und kommt seitdem nicht mehr aus seiner Depression heraus.

Bei einer Sitzung geht es um das Hin-und-her-gerissen-Sein der Medizinstudentin zwischen Kind und Studium. Sie hat schon eine Liste mit Gründen für und gegen beides notiert, doch was sie wirklich will, weiß sie immer noch nicht. Die Therapeutin stellt zwei Stühle für sie in die Mitte des Raums. Zuerst setzt sich die Studentin auf den einen, schließt die Augen und malt sich aus, wie es mit einem Baby wäre. Sie beschreibt, wie toll sie sich fühlt, wenn das Baby sie anlächelt, aber auch, wie erschöpft sie oft ist und wie einsam. Dann nimmt sie auf dem anderen Stuhl Platz. Nun erkundet sie ihre Gefühle nach einer Entscheidung für das Studium. Sie lernt nun jeden Tag bis in die Nacht hinein, aber sie ist nicht einsam, sondern hat engen Kontakt zu den Kommilitoninnen in ihrer Lerngruppe.

Aufgehoben in einer Gemeinschaft

Die anderen Gruppenmitglieder beobachten sie genau und sagen ihr anschließend, was sie empfunden haben. Der traumatisierten Frau ist aufgefallen, wie glücklich die Studentin wirkte, als sie sich ihr Baby im Arm vorstellte, aber auch, wie ihre…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2021: Sich von Schuldgefühlen befreien
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