„Einfacher, Mutter zu sein“

Annette Pehnt erkundet in ihrem Buch „Chronik der Nähe“ die Mutter-Tochter-Beziehung über drei Generationen. Darin steckt viel Autobiografisches.

Die Illustration zeigt eine Mutter, die ihre kleine Tochter mit ausgestreckten Armen an den Händen hält
Annette Pehnt erkundet in ihrem Buch „Chronik der Nähe“ die Mutter-Tochter-Beziehung über drei Generationen © Tetiana Garkusha/Getty Images

PSYCHOLOGIE HEUTE Frau Pehnt, sind Sie lieber Mutter oder Tochter?

Annette PEHNT Ich bin lieber Mutter. Ich finde es einfacher, Mutter zu sein. Das ist aktiver. Als Tochter muss ich den Ball aufnehmen, der mir zugespielt wird. Tochter sein ist eher so … ein Ringen.

PH Frauen sind heute frei, die Mutterrolle zu wählen. Die Generation der in Ihrem Buch beschriebenen Großmutter, auch der Mutter der Erzählerin hatte diese Möglichkeit noch nicht.

PEHNT Das ist richtig. Wir können uns heute mehr oder weniger ein Lebenskonzept aussuchen, in das die Mutterrolle hineinpasst. Ich wollte immer Mutter sein und Töchter haben. Und so kam es dann auch, ich habe drei Töchter. Die Mutter der Erzählerin in meinem Buch, Annie, in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine junge Frau, möchte eigentlich keine Kinder, wird dann aber durch die gesellschaftlichen Erwartungen in die Mutterrolle hineingedrängt.

PH Was hat Sie an dem dynamitgeladenen Mutter-Tochter-Thema gereizt?

PEHNT Ich bin eigentlich keine Autorin, die sehr biografisch arbeitet, aber in diesem Fall setzt das Buch das Gespräch mit meiner Mutter fort, das abgerissen ist, weil sie – nicht sehr alt – gestorben ist. Zu ihren Lebzeiten hat ein solches großes Gespräch zwischen uns nicht stattgefunden. Ich wollte das zwar, dachte aber immer, ich hätte noch ewig Zeit. Und dann war sie plötzlich weg. Da wurde mir klar, das Gespräch muss ich trotzdem führen, es gibt keinen Weg daran vorbei.

PH Damit ist die Frage nach dem autobiografischen Aspekt schon beantwortet.

PEHNT Eigentlich ist diese Frage nicht wichtig, weil das Buch für sich selbst steht. Aber es gibt auch keinen Grund zu verstecken, dass es hier um eine eigene Auseinandersetzung geht. Allzu öffentlich mache ich…

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