Keine Angst allein rauszugehen

Selbst im Supermarkt oder in der Bahn bekommt Lena Uhlmann Angst, wenn sie ohne vertraute Person unterwegs ist - jetzt hilft ihr eine Assistenzhündin.

Lena Uhlmann erzählt:

„Der Einkauf gestern bei Ikea war super anstrengend für mich. Mein Freund und ich haben ein bisschen rumgeguckt, aber dann habe ich schon gemerkt: Scheiße, mir geht‘s richtig schlecht, hier sind zu viele Menschen, zu viele Reize. Hoffentlich bekomme ich keine Panikattacke.

Mein Freund hat mich dann in einer Ecke in den Arm genommen. So bin ich zum Glück wieder runtergekommen.

Wovor ich genau Angst habe, kann ich gar nicht sagen, es ist eine diffuse Angst vor der Angst. Jeder Weg im Dunkeln, jede Bahnfahrt und jeder Einkauf sind Stress für mich, besonders, wenn jemand hinter mir steht und ich nicht sehe, ob jemand übergriffig werden könnte.

Das geht so, seitdem ich unter anderem wegen einer Essstörung in einer Klinik behandelt wurde. Die besserte sich, aber meine Ängste und Panikattacken wurden leider schlimmer.

Mit einer vertrauten Person unterwegs zu sein, macht viele Situationen aushaltbarer, mich aber natürlich auch abhängig. Deshalb war ich begeistert, als mir eine Freundin von Assistenzhunden erzählte. Sie holen Notfallsets oder legen sich bei Panikattacken auf einen.

Als ich probeweise mit Nala, einer Labradorhündin, in einem Café war, habe ich mir auf einmal gar keine Gedanken mehr über meine Angst gemacht. Zuhause hatte sie geknurrt, als meine Nachbarn gestritten hatten. Aber jetzt war sie gechillt. Das signalisierte mir: Keine Gefahr. Ich habe mich sogar getraut, abends allein mit ihr Gassi zu gehen!

Leider musste ich Nala wieder abgeben, weil sie krank war, aber ich hoffe, dass mit Hündin Molly nun alles klappt."

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2023: Paartherapie
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