Mein Partner hat ADHS

Ordnung halten, die Finanzen regeln, pünktlich sein: Für Menschen mit ADHS sind das große Hürden. – Eine Herausforderung für die Partnerschaft

Die spontane Art von Menschen mit ADHS wirkt oft reizvoll. Doch dann kommt der Alltag ... © Silke Weinsheimer

Die Aufmerksamkeitsstörung ADHS tritt keineswegs nur im Kindesalter auf. Zwischen ein und 2,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind davon betroffen, Männer zwei- bis viermal häufiger als Frauen.

Die Liste der Symptome, mit denen ADHS sich bei Erwachsenen bemerkbar macht, ist lang. Untaugliches Zeitmanagement und stark ausgeprägtes Aufschieben lästiger Aufgaben gehören dazu, Vergesslichkeit, spontanes und unüberlegtes Handeln, Rastlosigkeit, schnell wechselnde Aufmerksamkeit, Probleme, sich zu organisieren und zu strukturieren. Die Hyperaktivität, die ADHS bei Kindern häufig begleitet, ist bei Erwachsenen nur noch selten, geblieben ist aber meist eine innere Unruhe, die sich in Sprunghaftigkeit und Getriebensein äußert. Die Füße wippen, die Finger sind ständig in Bewegung und spielen an irgendetwas herum.

Vieles in Ausbildung, Beruf und Beziehung ist für ADHS-Betroffene eine schier unüberwindliche Hürde: konzentriertes Lernen, die pünktliche Erledigung von Aufgaben, das Einhalten von Verabredungen, die Übersicht über ihre Finanzen, das Ordnunghalten in ihren Räumen. Spricht man sie darauf an, macht ihnen gar Vorwürfe, reagieren sie häufig überempfindlich, manchmal aggressiv. Vor allem unerkannt wird ADHS zur enormen Belastung für jede Beziehung.

Professor Alexandra Philipsen, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn, beschreibt die Folgen: „Im Alltag und der Beziehungsgestaltung funktioniert vieles leider nicht. Das ist zum einen das Desorganisierte, Chaotische, aber auch Flexible und Spontane. Der Partner oder die Partnerin erlebt den Betroffenen als wenig zuverlässig. Das Nichtzuhören und die Vergesslichkeit kommen dann als Desinteresse und mangelnde Wertschätzung an. ‚Du räumst nicht auf, du hinterlässt ein Chaos, nimmst mich nicht ernst, ich bin dir nicht wichtig genug.‘“ Die Ursache des Verhaltens wird missdeutet und lässt die Partner an der Ernsthaftigkeit der Beziehung zweifeln. „Darüber haben wir so oft gesprochen, wenn du es nicht änderst, liebst du mich vielleicht gar nicht.“

„Auch die Impulsivität bereitet große Probleme“, sagt Professor Andreas Reif, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Frankfurt. „Man sagt schnell etwas, was man hinterher bereut, man fährt anderen dazwischen, man macht Chaos am Arbeitsplatz, weil man tausend Ideen gleichzeitig hat. Dann vergisst man die Hälfte der Sachen. Man ist – flapsig ausgedrückt – ein ziemlicher Chaot, der anderen auf die Nerven geht.“

Den vollständigen Beitrag von Sven Rohde über den schwierigen Alltag mit einem Partner, der ADHS hat, und wie viele Paare diese Herausforderung meistern, finden Sie in unserem neuen Themenheft der Reihe Psychologie Heute compact. Dort geht es von der ersten bis zur letzten Seite um Schwierige Menschen – Von Nervensäge bis Narzisst.

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