Was haben wir falsch gemacht?

Vorwürfe bis Kontaktabbruch: Auch erwachsene Kinder können zur Belastung für Eltern werden. Wie Generationen wieder zueinanderzufinden können.

Eine junge blonde Frau steht ernst da, während ihre Mutter im Hintergrund ist
Wenn Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, hinterlässt das bei diesen oft das Gefühl, vor einem Scherbenhaufen zu stehen. © Halfpoint/Getty Images

Das Familienleben ist reich an Lachen und Tränen und Leiden. Man liebt einander, man kann einander nicht ausstehen, man verletzt sich gegenseitig, man versucht, miteinander zu leben, ohne allzu verbissen zu kämpfen, und sich zu trennen, ohne sich ganz aus den Augen zu verlieren. In diesem komplexen Gefüge ist der Platz der Eltern nicht immer einfach, ebenso wenig wie die Beziehung, die sie zu jedem ihrer Kinder unterhalten. Keine Mutter und kein Vater ist gänzlich frei von negativen Gefühlen. Kinder werden nie zu dem, was man von ihnen erwartete; sie erfüllen nicht die Träume älterer Generationen, sind nicht immer dankbar, treu und loyal.

Man weiß das alles, aber das verhindert nicht, dass man darunter leidet. Irgendwann im Laufe ihres Lebens leiden alle Eltern. Viele zeigen das nicht und geben es nicht zu. Sie zwingen sich, Haltung zu bewahren, und tragen eine Maske des Gleichmuts, hinter der sich ihre geheime Unzufriedenheit verbirgt. Denn wenn auch jeder bereitwillig zugibt, dass die Elternrolle nicht immer befriedigend ist, so wagen es doch nur wenige, ihre Enttäuschung einzugestehen. Jeder glaubt, allein von einem Problem betroffen zu sein, das in Wirklichkeit alle haben. Eine Art Scham scheint die enttäuschten, die verletzten Eltern zurückzuhalten. Wenn man seine Kinder offen kritisiert, gilt man in den Augen der anderen als verbittert und kommt sich selbst unfähig vor, wie ein schlechter Vater oder eine schlechte Mutter.

„Ich bin begeistert darüber, wie mein Sohn sich entwickelt, er übertrifft in jeder Hinsicht meine Erwartungen“, erklärt eine Mutter. „Aber meine Tochter … wie soll ich es ausdrücken? Sie war nie mit mir auf einer Wellenlänge. Ich konnte es ihr nicht wirklich übelnehmen, fühlte aber, dass…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2013: Was haben wir falsch gemacht?
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