Narzissmus in Familien: Suche nach dem Sündenbock

Narzisstische Eltern übertragen unerwünschte Gefühle wie Angst, Scham oder Ärger auf ihre Kinder. Eine Studie fand heraus, welche Folgen das haben kann.

Narzisstische Mütter und Väter neigen laut einer Studie offenbar dazu, ein Kind in der Familie zum Sündenbock zu machen und es bei Konflikten oder Problemen zu belangen. Dies zeigte eine erste Studie zu dieser Frage mit rund 500 Personen. Die Forscherin Martina Vignando und der Forscher Boris Bizumic von der Australian National University stellten fest, dass das elterliche Verhalten Folgen hat: Die Kinder zeigten deutliche Symptome von Angst und Depressionen.

Den befragten Personen, alle zwischen 18 und 30 Jahre alt, wurden verschiedene Narzissmus-Fragebögen vorgelegt, anhand derer sie sich selbst sowie ihre Eltern einschätzten und Fragen zu ihren eigenen Ängsten und Depressionen beantworteten. Sie gaben zudem an, wie oft sie sie sich bei Familienkonflikten ungerecht behandelt fühlten.

Aus der Forschung ist bekannt, dass Narzisstinnen und Narzissten zu diesem Sündenbockverhalten neigen, das auch Projektion genannt wird. Dabei werden eigene Gefühle wie Angst, Ärger, Schuld oder Versagen nicht ertragen und deshalb anderen zugeschoben. Dieses Verhalten ist Zeichen des Anspruchsdenkens einer Person, um sich mit eigenen negativen Eigenschaften oder Verhalten nicht beschäftigen zu müssen.

Quelle

Martina Vignando, Boris Bizumic: Parental narcissism leads to anxiety and depression in children via scape­goating. The Journal of Psychology, 157/2, 2023. DOI: 10.1080/00223980.2022.2148088

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2023: Schüchtern glücklich sein
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