Im Fokus: Digitale Gewalt

Hassreden im Internet sind Alltag. Woher das kommt und was dagegen hilft, erklärt die Gründerin der Hilfsorganisation Hate Aid Anna-Lena von Hodenberg

Bösartige und abwertende Kommentare im Internet
„Drecksfotze“ beispielsweise, so fand das Landgericht Berlin in einem ersten Urteil, sei von der Meinungsfreiheit gedeckt. ​ ©

Frau von Hodenberg, vor dem Internet­zeitalter war es untypisch, anderen seine Meinung mit üblen Schimpfworten gespickt direkt an den Kopf zu werfen oder dass ein Mann Fotos von seinem Penis per Post an fremde Frauen verschickt. Heute ist beides ein Massen­phänomen – im Internet. Warum?

Wenn in einem bestimmten Viertel in einem Haus eine Fensterscheibe eingeschmissen wurde und das bleibt so, dann werden Sie beobachten, dass nach und nach auch bei anderen Häusern Scheiben eingeschlagen werden und das ganze Viertel so langsam herunterkommt. Das ist die broken windows theory aus der Soziologie, die auch im Internet zu greifen scheint. Da wird an einer Stelle eine bestimmte Grenze überschritten, und wenn es dafür keine ablehnende Reaktion gibt, setzt sich das Verhalten fort. Ein Mann postet ein Penisfoto und es gibt keine Reaktion. Das heißt für den Absender: Mein Verhalten ist okay. Dann wird die erste Vergewaltigungsdrohung gepostet – auch keine Reaktion. Also scheint das auch in Ordnung. Es folgt eine Morddrohung, keine Reaktion, somit scheint das ebenfalls okay zu sein. Die Täterinnen und Täter überschreiten immer wieder Grenzen und schauen, was in diesem neuen Raum, der uns mit dem Internet zur Verfügung steht, erlaubt ist.

Gelten online also andere Regeln für die Menschen als im Analogen?

Das Schlimme ist, dass es eben nicht so ist. Wir haben vernünftige Gesetze, die genauso im Internet gelten. Überlegen Sie mal, wie das ist, wenn Sie auf der Straße entlanglaufen und einer entblößt seinen Penis. Im Internet…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2021: Menschen verstehen wie die Profis
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