Mein wunder Punkt

Manchmal braucht es nur einen Nebensatz, um uns tief zu verletzen. Doch wie können wir mir Kränkungen besser umgehen?

Die Illustration zeigt einen Mann aus der Antike, der beleidigt und übergangen wurde, und nun mit einem Pfeil im Herzen in einem wilden Garten liegt, umringt von blutrünstigen Fledermäusen
Manch eine Kränkung trifft uns wie ein Pfeil ins Herz. © Drushba Pankow

Vor einiger Zeit hat mich eine Freundin ziemlich gekränkt. Nach zehn Jahren Freundschaft teilte sie mir per Mail mit, dass sie keinen Kontakt mehr mit mir haben wolle. Sie sei in einer neuen Lebensphase, habe ihren Horizont erweitert und sei über Leute wie mich hinausgewachsen. Obwohl sich der Kontakt bereits über ein oder zwei Jahre ein wenig gelockert hatte – die Freundin hatte beruflich viel im Ausland zu tun –, war ich von der Vehemenz ihrer Abgrenzung und von ihrer Wortwahl getroffen.

Ich fühlte mich aussortiert wie ein unmodern gewordener Pullover. In den Wochen nach dieser Mail klang die Phrase „über Leute wie dich hinausgewachsen“ immer wieder in mir nach und weckte eine ungute Gefühlsmischung aus Ohnmacht, Fassungslosigkeit, Wut und Beschämung, die dazu führte, dass ich mich am Thema noch mehr festbiss. Mein Selbstvertrauen war erschüttert. Noch nach Mo­naten schmerzte es mich, sobald ich an die Freundin dachte. Eine ziemlich lange Phase, finde ich aus meiner jetzigen Sicht.

„Kränkungen gehören zum Leben. Jeder erlebt ge­legentlich Situationen, die ihn überraschend treffen“, sagt die Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki, Autorin des Buches Ohrfeige für die Seele. Wie wir mit Kränkung und Zurückweisung besser umgehen können.

Die Akzeptanz der eigenen Kränkbarkeit

Wie schwer es ist, sich die simple Tatsache der eigenen Verletzbarkeit einzugestehen, zeigt eine einfache Übung: Wer den Satz „Ich bin ein kränkbarer Mensch“ laut ausspricht und auf sich wirken lässt, spürt häufig, dass schon dieses verbale...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2020: Mein wunder Punkt
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