„Ich habe oft gedacht: Tue ich es für ihn oder für mich?“

Psychologie und Literatur: Die Schriftstellerin Gabriele von Arnim erzählt von der Beziehung zu ihrem Mann, als sie ihn zehn Jahre lang pflegte.

Die Schriftstellerin und Journalistin Gabriele von Arnim steht in einem dunkelblauen Oberteil in einer knallroten Eingangstür aus Holz
© Lena Giovanazzi für Psychologie Heute

Kurz nachdem sie schon entschieden hat, sich von ihrem Mann zu trennen, erleidet er einen Schlaganfall. Nichts ist mehr, wie es war. Gabriele von Arnim bleibt bei ihm, pflegt ihn bis zu seinem Tod zehn Jahre später und schreibt über diese Zeit ein Buch, das zum Bestseller wird. Das Leben ist ein vorübergehender Zustand ist jedoch viel mehr als eine Geschichte über Sorge und Hoffnung, Stärke und Schwäche, Krankheit und Tod. Es ist auch ein Sprachkunstwerk, weil die Autorin Schönes und Schmerzliches in wunderbar klare, manchmal messerscharfe Sätze verwandelt. Für das Interview in Berlin lädt von Arnim zu sich nach Hause ein.

In Ihrem Buch Das Leben ist ein vorübergehender Zustand schreiben Sie über die Zeit vor und nach dem Schlaganfall Ihres Mannes und die zehn Jahre, in denen Sie Ihren Mann gepflegt haben. Schon die Verständigung war nicht leicht. Seine Worte, schreiben Sie, „klingen wie geplatzte Knallerbsen. Und dann liegen die Sätze herum, und man muss versuchen, sie aufzusammeln, sie zu entziffern.“ Wie haben Sie es geschafft, sie zu verstehen?

Man gewöhnt sich an die Aussprache. Bei meinem Mann war es ja nicht so, dass er die Worte nicht fand. Das Artikulationszentrum war getroffen – deshalb hat er sie auf eine Art und Weise ausgesprochen, dass man lernen musste, was er sagen wollte. Für Fremde war es fast unmöglich, ihn zu verstehen. Aber ich habe ihn meistens gut verstanden. Und er hat mir auch irgendwann Geschichten erzählen können. Er hat ja immer wahnsinnig gerne geredet und wollte auch so gerne reden, als er schon krank war. Es war wirklich eine Zeit des genauen Hinhörens.

Sie beschreiben, dass Ihr Mann nach wie vor scharfsinnig denken konnte. Wann haben Sie das nach dem Schlaganfall zum ersten Mal verstanden?

Es gab eine Szene, die war grandios. Meine Tochter hatte ihm eine CD von Gerhard Polt mitgebracht. Und Polt hat er immer geliebt. Sie kannten sich auch…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2022: Das Tempo der Liebe
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