Kate Sweeny bändigt die Sorgen

Warten ist nicht angenehm – vor allem nicht die Ungewissheit vor dem Moment der Wahrheit. Kate Sweeny erforscht, wie sich die Sorge lindern lässt.

Kate Sweeny, ein Shootingstar in der psychologischen Forschung, trägt Sonnenbrille und steht mit Händen in den Taschen, entspannt lächelnd in der Sonne
Kate Sweeny betreibt als Psychologieprofessorin Forschung zum Thema „Warten unter Unsicherheit“. © Axel Koester

Die Psychologin, die ich besuchen möchte, hat mich gewarnt: Der Verkehr in Südkalifornien ist der blanke Irrsinn. So ist es auch an diesem Tag, wenige Wochen bevor Corona die Straßen leerfegen wird. Auf den sechs Spuren der State Route 60 wälzt sich Wagen an Wagen aus Los Angeles hinaus ins Landesinnere. Doch dann, nur wenige hundert Meter nach der Abfahrt 32 A lande ich jäh in einer friedlichen Gegenwelt. Die renommierte University of California, Riverside ist eine Art Wohlfühlpark der Gelehrsamkeit. Mit hübschen Grünanlagen, vorzeigbaren Restaurants und freundlichem Auskunftspersonal an den Parkplätzen.

Ich betrete einen einladenden Kastenbau mit Sandsteinfassade, ihr Büro liegt im zweiten Stock. Mich empfängt ein quadratischer Raum mit Blick über den Campus. Hier arbeitet Kate Sweeny. Gerade einmal 39 Jahre alt, hat sie ein aufregendes neues Forschungsgebiet erschlossen. Sie nennt es „Warten unter Unsicherheit“. Das klingt unspektakulär, doch gemeint ist eine der am stärksten belastenden Situationen, die das Leben für uns bereithält: das bange, sorgenvolle Warten auf ein Ereignis, von dem wir das Schlimmste befürchten – das Ergebnis eines Aidstests etwa oder die Mitteilung, ob die jüngste Kündigungswelle in der Firma auch den eigenen Arbeitsplatz fortgeschwemmt hat. Für die meisten Menschen sind das zäh dahinschleichende Tage voller düsterer Vorahnungen und fantasierter Schreckensszenarien.

Auf den ersten Blick sieht man der Sorgenforscherin nicht an, dass ein so bedrückendes Thema sie umtreibt. Kate Sweeny ist eine mittelgroße sportliche Frau. Sie wirkt ausgesprochen fröhlich und freundlich. Auf YouTube findet man ein Video, das sie bei einem exotischen Hobby zeigt: In ihrer...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2020: Emotional durchlässig
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