Gemocht werden im Beruf

Trotz Führungsposition von allen gemocht werden? Ein Interview mit der psychologischen Psychotherapeutin Beate West-Leuer gibt Aufschluss, ob das geht.

Eine Vorgesetzte unterhält sich freundlich mit ihrer MItarbeiterin
Kritik ist immer beschämend. Wird sie jedoch konstruktiv und emphatisch formuliert, entsteht viel eher kein Konflikt. © MoMo Productions/Getty Images

Frau West-Leuer, sollte man nicht Chefin oder Chef werden, wenn es einem wichtig ist, gemocht zu werden?

Doch, unbedingt! Wer gemocht werden will, ist meist eine sehr gute Führungskraft, weil sie oder er einfühlsam, hilfsbereit und loyal ist und lieber fördert als fordert. Allerdings wollen diese Menschen sowohl den Unternehmenszielen als auch den Mitarbeitenden gerecht werden – daraus ergeben sich häufig Konflikte. Und Konflikte sind etwas, das diese Menschen so lange wie möglich vermeiden.

Wer kritisiert, wird nicht gemocht. Oder?

Kritik ist immer beschämend. Aber wenn sie konstruktiv ist, wird die Kritikerin zwar nicht gemocht, aber als hilfreich erlebt. Konstruktiv bedeutet: Man benennt zuerst etwas Positives und sagt dann ganz konkret, was sich ändern muss. Und zwar so, dass es die kritisierte Person umsetzen kann.

Kann man lernen, Ablehnung nicht an sich heranzulassen?

Kritik macht immer etwas mit mir. Gerade bei pauschalen und persönlich verletzenden Äußerungen sollte man deutlich machen: „Ich habe es mir eben nicht leicht gemacht, ich habe mit mir gerungen, ob und wie ich das Problem ansprechen soll. Aber du weißt auch, dass unsere Zusammenarbeit an diesem Punkt nicht funktioniert, und wir wollen doch beide, dass sich das ändert.“

Wie bleibt man empathisch?

Wer empathisch ist, bleibt es in der Regel auch. Und das ist gut so, denn um gut führen zu können, muss man verstehen, was das eigene Verhalten im anderen auslöst. Als Führungskraft sollte man allerdings zwischen Empathie und Mitleid unterscheiden. Das bedeutet, sich einfühlen zu können und zu verstehen, wie es einem Mitarbeitenden geht, und ihm gleichzeitig zuzutrauen, seine Emotionen selbst zu regulieren.

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Ein Erfahrungsbericht einer Vorgesetzten aus Niedersachsen in "Ich möchte nicht die böse Chefin sein"

Beate West-Leuer ist Psychologische Psychotherapeutin, coacht Führungskräfte und ist Mitherausgeberin des Buches Führung und Gefühl. Mit Emotionen zu Authentizität und Führungserfolg (Springer 2016).

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