Zwischen Küche und Karriere

​Un-Ort der Arbeit, Sehnsuchtsphantasie für Pendler, Corona-Albtraum? Zu Hause arbeiten kann vieles bedeuten. Über die Psychologie des Homeoffice.

Ein Laptop steht auf einem gedeckten Frühstückstisch.
Ist das noch Esszimmer oder schon Arbeitsraum? Wenn keine Grenzen gezogen werden, funktioniert Homeoffice weniger gut. © Johanna Vikell/EyeEm/Getty Images

Morgens um halb neun in Deutschland: Noch schnell die Krümel wegwischen, den Toaster zur Seite stellen, Kabel vom Laptop einstecken. Gleich beginnt das erste Meeting. Sieht man den Wäscheständer? So oder so ähnlich ist es, wenn Beschäftigte morgens nicht mehr das Haus verlassen, um zur Arbeit zu fahren, sondern zu Hause bleiben, um zu arbeiten. Für viele Selbständige oder auch Lehrerinnen und Lehrer, die zu Hause den Unterricht vorbereiten oder Arbeiten korrigieren, ist das Homeoffice schon lange Alltag. Für zahlreiche andere ist es seit Corona eine neue Erfahrung. Was ist das für ein Raum? Und wie erleben ihn die Menschen?

Historisch gesehen: ein Un-Ort der Arbeit, geradezu ihr Gegenteil. Die moderne Gesellschaft ist durch die Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit, die moderne Arbeitswelt durch die Abgrenzung von Arbeits- und Wohnort gekennzeichnet – eine Unterscheidung, die es in vorindustriellen Zeiten nicht gab. Mit der Entwicklung neuer Arbeitsformen und -technologie sind daraus nicht einfach unterschiedliche Orte und physische Grenzen geworden, sondern Lebensbereiche mit ganz eigenen, sich teils widersprechenden Logiken und Regeln.

Hier gilt die Devise, möglichst wenig Zeit für etwas zu brauchen, dort, möglichst viel Zeit für etwas zu haben. Hier definieren Funktionen, was zu tun ist, dort Bedürfnisse. Hier wird produziert, dort reproduziert. Und so sehen die Räume auch aus: Im privaten Heim soll es schön sein, nicht unbedingt funktional; gemütlich, nicht unbedingt effizient. Eben: privat, nicht öffentlich.

Warum denn nicht?

Mit fortschreitender Digitalisierung ist das Homeoffice aber zunehmend zum Sehnsuchtsort geworden. Sah man im 19. Jahrhundert vor allem Nachteile für die – vorwiegend weiblichen – in der „Heimarbeit“ Beschäftigten, fühlten sich zuletzt offenbar viele von den…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2021: Egoisten
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