Die Psychologie des Dreiers

Sex zu dritt ist die beliebteste erotische Fantasie – und psychologisch gesehen sehr komplex. Eine Paartherapeutin erklärt, was dabei geschieht.

Die Illustration zeigt einen Mann mit zwei Frauen, wobei eine der Frauen nackt ist
Der Dreier zählt zu den häufigsten sexuellen Fantasien – und ist psychologisch betrachtet hochkomplex. © Karsten Petrat

Nils hört das Klacken an der Haustür, als Julia den Schlüssel dreht, da steht sie auch schon vor ihm, schweißgebadet und mit roten Wangen. Seine Julia, zurück vom Joggen. Wie nebenbei, während sie sich bückt und ihre Laufschuhe aufschnürt, fragt sie: „Nils, du sagtest letzte Woche, ich könnte mir zu meinem Fünfzigsten etwas Besonderes wünschen. Meintest du das ernst?“ Ihr Blick haftet immer noch an den Schnürsenkeln. „Na klar!“, meint Nils von der Couch. Dann fallen die Worte, die er nie hören wollte: „Ich möchte einen Dreier“, sagt Julia.

Diese Situation berichtete ein Paar in meiner sexualtherapeutischen Praxis und setzte sie fort, indem Nils äußerte: „Sex mit anderen als meiner Frau? Niemals.“ Sehr häufig wird es in einer festen Partnerschaft zur unangenehmen Überraschung, wenn der Wunsch nach einer dritten Person beim Sex auftaucht. Wenn auch mit Vorsicht angesprochen – das Eingeständnis, darauf Lust zu haben, löst Verunsicherung aus, versteht der andere doch nicht selten: Ich genüge nicht mehr. Fragen reihen sich aneinander: Was genau ist eigentlich ein Dreier? Wer macht das? Warum überhaupt? Ist das Liebe? Bedeutet es womöglich auch Trennung?

Dreierkonstellationen sind schon lange ein Faszinosum, ob sexuell oder platonisch. Über den deutschen Lyriker Friedrich Schiller schrieb beispielsweise Der Spiegel 2009: „Ein Popstar der Literatur und begehrt bei den Damen“ – Schiller, im Freundeskreis für einen Draufgänger gehalten, lebte...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2020: Die Macht des Selbstbilds
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