Was bestimmt, wen wir wählen

Wieso wählen wir meistens dieselbe Partei? Weniger, weil sie uns überzeugt, sondern weil sie zu unserer Persönlichkeit passt.

Ein Stimmzettel mit Erst- und Zweitstimme einer Bundestagswahl
Die meisten Menschen wählen eine Partei, weil sie zu ihrer Persönlichkeit passt © Trinculo_photo/Getty Images

Wer wissen will, wie ein Mensch politisch denkt, muss sich nicht unbedingt mit ihm unterhalten. Ein Blick ins Büro eines Angestellten oder ins Wohnheimzimmer einer Studentin verrät gar nicht so wenig über die Gesinnung. Das stellten amerikanische Forscher um Dana Carney von der Columbia University fest, als sie ihre Assistenten in Studentenbuden und Arbeitszimmer schickten, natürlich mit dem Einverständnis der Besitzer. Anhand von Checklisten wurden nicht weniger als 385 Ausstattungsmerkmale erfasst: Gibt es ein Bügelbrett? Hängt eine Landkarte an der Wand? Wie viel Büromaterial steht bereit? Dazu kamen allgemeine Beobachtungen: Wie aufgeräumt ist der Raum? Macht er einen gemütlichen Eindruck? Ist er individuell gestaltet oder wie tausend andere? Die Bewohner wiederum kreuzten auf einer Skala an, wo sie politisch standen.

Das freilich war ein Stück weit auch schon an ihren Räumen abzulesen, wie die anschließende Analyse zeigte. Aufgeräumte, geputzte und hell erleuchtete Zimmer deuten auf eine konservative Gesinnung. Das Gleiche gilt für alles, was mit Sauberkeit und Ordnung zu tun hat: viele Reinigungsmittel und Wäschekörbe, aber auch mindestens ein Planungskalender an der Wand. Beliebt bei Konservativen sind außerdem Nationalflaggen, Sportdevotionalien und alkoholische Getränke.

Individuell eingerichtete, farbenfrohe und frisch wirkende Räume verraten dagegen einen eher linken Bewohner. Er hat viele CDs mit ganz unterschiedlichen Musikrichtungen angehäuft. Die Buchsammlung ist nicht minder vielfältig und recht umfangreich. Landkarten aus aller Herren Länder,…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2013: Was haben wir falsch gemacht?
Psychologie Heute Compact 70: Was in schweren Zeiten hilft
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