Schönheit heilt in der Krise

Wenn Schmerz und Verzweiflung uns befallen, suchen wir nach einem Ausgleich: Wir werden empfänglich für Kunst und Natur.

Eine junge Frau in Jeansjacke mit rotem Lippenstift und langen dunklen Haaren sitzt lächelnd in einem roten Mohnblumenfeld
Wir folgen einem Instinkt, der uns hilft, wieder ins seelische Gleichgewicht zu kommen. © Matrixnis/Getty Images

Es mag auf den ersten Blick erstaunen: Lebenskrisen sind dialektische Prozesse. Wenn sie über uns kommen, bringen sie mit dem Leid fast immer auch eine neue, unbekannte Freude.

„Ich schaue aus dem Fenster und staune, als hätte ich noch nie Sonne und Wolken gesehen“, schrieb der Künstler und Regisseur Christoph Schlingensief in seinem 2009 erschienenen Krebstagebuch mit dem Titel: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein. Noch im nüchternsten Nützlichkeitsmenschen ist dieser Sinn für das Schöne angelegt. Selbst wer meinte, ein Leben lang keinen inneren Zugang zu Dingen der Ästhetik gehabt zu haben, dem wird eine Lebenskrise zuverlässig die Tür dorthin öffnen.

Wir müssen keine Ästhetikexperten sein, um die Segnungen der Kunst am eigenen Leib zu erfahren. Denn wir alle können Kunst – ebenso wie die Natur – wenn schon nicht unbedingt ästhetisch, so doch immer psychologisch decodieren. Dazu braucht man nur offene Augen und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.

Natur neu erleben

Es ist eine alte und gültige Weisheit, dass der Garten ein ziemlich guter Arzt ist und dass der Aufenthalt im Grünen der Erholung und Regeneration dient. Dem berüchtigten Satz, „frische Luft“ sei gesund, hat man vielleicht schon öfter misstraut, aber tatsächlich, zumal in der Krise, zeigt sich die Natur als wahrer Kraftspender. Der amerikanische Journalist und Umweltaktivist Richard Louv hat in seinem Buch Das Prinzip Natur auf zahlreiche wissenschaftliche Studien verwiesen, die das belegen. Es geht jedoch nicht so sehr um den wohltuenden Effekt des „grünen Materials“ auf unseren Körper, sondern vor allem auf unser Gemüt. Gerade in Lebenskrisen entwickeln viele Menschen einen neuen Sinn für Gefühlslagen, die etwa Landschaften auslösen können, für Abend- oder Morgenstimmungen in einem Mittelgebirge, an einer Flussniederung oder in einer Moorlandschaft.

Tatsächlich sind wir in der Lage, in der Natur Stimmungen auszumachen, die für uns emotional und „romantisch“ aufgeladen sind. Wir können in ihr ästhetische Strukturmerkmale und Ordnungsprinzipien entdecken, die wir als harmonisch (und zugleich harmonisierend) empfinden. Mit etwas Übung…

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