Inneres Team: Ordnung im Chaos

Wie will ich leben? Die Methode des „inneren Teams“ kann Menschen in Umbruchsituationen unterstützen. Coaching und Therapie machen sich das zu Nutze.

Ein Fotograf steht fotografiert in der Abenddämmerung einen Vogelschwarm der im scheinbaren Durcheinander eine Formation bildet
Wie will ich leben? Die Methode des „inneren Teams“ kann Menschen in Umbruchsituationen unterstützen. © David Trood/Getty Images

Ende der neunziger Jahre entwickelte der Hamburger Psychologieprofessor und Kommunikationstrainer Friedemann Schulz von Thun das Modell des inneren Teams, um Führungskräften eine Methode anzubieten, Ordnung in den ganz normalen Wahnsinn im Kopf zu bringen. Die Erkenntnis, dass mehrere Seelen in einer Brust wohnen und das, was wir „Ich“ nennen, ein Konglomerat widerstreitender Persönlichkeitsanteile ist, ist nicht neu. Die Gestalttherapie bearbeitet innerseelische Konflikte, indem für jeden Persönlichkeitsanteil ein leerer Stuhl hingestellt wird, der diesen Aspekt repräsentieren soll. Die Transaktionsanalyse unterscheidet zwischen Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich. Jacob L. Moreno ließ im Psychodrama typische Verhaltensweisen verschiedener Persönlichkeitsanteile auf einer Bühne in Szene setzen. Die Arbeit mit der inneren Pluralität ist ein zentrales Element zahlreicher therapeutischer Schulen. Schulz von Thun kommt das Verdienst zu, dass er mit dem inneren Team ein griffiges Modell gefunden hat, das auch Menschen einleuchtet und begeistert, die freiwillig keinen Fuß in eine psychotherapeutische Praxis setzen würden.

Wie hat sich das innere Team in den letzten 15 Jahren entwickelt? Was hat sich verändert? Welche Einflüsse haben das Modell bereichert, erweitert, korrigiert? Wie spiegelt sich der Zeitgeist darin wider? Wo zeigen sich Grenzen? „Im Kern hat sich das innere Team nicht verändert. Der Grundgedanke ist immer noch gültig. Aspekte, die mir früher nicht so wichtig schienen, haben an Bedeutung gewonnen, und das Modell hat sich durch seine überraschend große Akzeptanz in verschiedene Richtungen erweitert und findet jetzt auch den Weg zurück in die Psychotherapie, wo es ursprünglich herkommt“, sagt Friedemann Schulz von Thun beim Gespräch in seinem Institut. Er glaubt, dass die Metapher unter anderem deshalb so erfolgreich ist, weil das Bild der inneren Mannschaft, die gut aufgestellt sein muss, in Wirtschaftskreisen sofort verstanden wird. „Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die innere Mannschaftsaufstellung eine Aufgabe des Profis ist. Wer eine berufliche Aufgabe gut bewältigen will, muss alle wichtigen inneren Mitstreiter beisammen haben und darauf achten, dass die Richtigen vorne stehen. Das leuchtet auch Menschen ein, die kein gesteigertes Interesse an Selbsterfahrung haben.“

Entlastend sei auch das Bild, dass es einen Chef gibt, ein Oberhaupt, das moderierend und integrierend das Durcheinander bändigt und die widerstreitenden Teile dazu bringt, konstruktiv zu kooperieren, ähnlich wie das eine gute Führungskraft tun sollte. Natürlich bietet das Modell des inneren…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2013: Unsere inneren Stimmen
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