Wenn Schüchternheit zum Problem wird

Schüchtern zu sein wird zunehmend pathologisiert. Warum? Wann führt es tatsächlich zu Leid – und was lässt sich dagegen tun?

Ein kleiner Junge mit bunter Gesichtsbemalung schaut schüchtern
© plainpicture/Michelle Gibson

Die Augen der Kolleginnen und Kollegen sind auf Sie gerichtet, die Chefin sitzt ganz vorne am Konferenztisch, im Raum herrscht Stille. Jetzt sind Sie dran mit Ihrer Präsentation. Wie geht’s Ihnen? Kribbelt’s vor Aufregung? Ist Ihnen schlecht vor Angst?

Die meisten Menschen fühlen sich in einer Situation, in der sie vor anderen reden sollen, unsicher. Umfragen zufolge sind es mehr als 60 Prozent der Bevölkerung. Doch während die einen ihre Furcht überwinden können, fühlen sich die anderen wie gelähmt, unfähig zu handeln. Für schüchterne Menschen sind solche Momente oft besonders schwierig, manchmal sogar richtig qualvoll.

Häufig macht sich schüchternes Verhalten schon in der Kindheit bemerkbar: Der Dreijährige buddelt im Sandkasten für sich allein, statt mit den anderen Kindern zu spielen. Die Achtjährige traut sich nicht, sich im Unterricht zu melden. Eltern sind häufig besorgt, wenn sie feststellen, dass ihr Kind schüchtern ist. Sie wollen keinesfalls, dass es etwas verpasst, Gleichaltrigen in irgendetwas nachsteht.

Manche Mütter und Väter unternehmen deshalb schon früh den Schritt zum Psychologen. Teils vielleicht zu früh, meint die Hamburger Psychotherapeutin Martina Fischer-Klepsch. „Schüchternheit ist in gewissem Maß zunächst ganz normal“, sagt sie. Nehme sie aber extreme Züge an, rät sie zu reagieren.

Nur: Wo ist die Grenze? Wann wird Schüchternheit zum Problem?

Genetisch schüchtern?

Fast jeder kennt Situationen, in denen man sich schüchtern verhält: zu einer Gruppe Unbekannter dazustoßen, eine Rede halten, Smalltalk mit der neuen Chefin führen. In ihrem Buch "Soziale Phobie –…

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Gesundheit
Drei Bücher unterstützen dabei, sich von Ängsten zu befreien – oder besser mit ihnen leben zu lernen
Familie
Manche Kinder schweigen im Kindergarten oder in der Schule, während sie zu Hause munter drauflosplappern. Was kann ihnen helfen?
Gesundheit
Bei psychischen Leiden ist der Übergang von der Lebenskrise zur Störung fließend. Wo verläuft die Grenze zur Krankheit? Der Psychiater Andreas Heinz hat da…
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2022: Das Tempo der Liebe
Anzeige
Psychologie Heute Compact 69: Klug durchs Leben
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Leben
Die Persönlichkeitsstörung ist in aller Munde – überall lauern scheinbar selbstverliebte Egomanen. ► Doch wie tickt ein Narzisst wirklich?
Beruf
Viele Menschen fühlen sich erschöpft: zu viele Pflichten, zu viel Druck. Über den Zustand kurz vorm Burn-out – und wie wir uns daraus befreien.