Würde: „Nicht aus einem Guss“

„Würde ist eine Art, auf die Zumutungen des Lebens zu reagieren“: Philosoph Peter Bieri über sein neues Buch zur Würde und ihrer Gefährdungen.

Ein Gorilla schaut ernst und wirkt würdevoll
Gorillas - Tiere, die sehr würdevoll wirken © pixonaut/Getty Images

Psychologie Heute Herr Professor Bieri, wann haben Sie zuletzt gesagt oder gedacht: „Das ist unter meiner Würde.“?

Peter BIERI Das ist eine Redeweise, die ich eigentlich nicht mag, weil sie für mein Empfinden etwas Hochnäsiges bedeutet: Dafür bin ich mir zu schade. Man kann die Worte aber auch so lesen, dass sie bedeuten: Das verträgt sich nicht mit meiner Selbstachtung. Das ist etwas anderes, und dieser Gedanke ist mir natürlich geläufig.

PH Und was bringt Sie auf die Idee, dass jemandes Würde auf dem Spiel steht?

BIERI Es gibt ganz unterschiedliche Situationen, die diesen Eindruck mit sich bringen können. Es kann beispielsweise geschehen, dass jemand etwas tut, was ihn in Konflikt mit seinem Selbstbild bringt – mit der Art, wie er sich sieht. Vielleicht tut er es, um einen Konflikt zu vermeiden oder anderen zu gefallen. Wenn er zurückblickt, mag er auf eine besondere Art unzufrieden mit sich selbst sein, die mit einem Verlust an Selbstachtung zu tun hat. Und dann mag er denken: Das war unter meiner Würde.

PH Warum wollten Sie ein Buch über die Würde schreiben? Ist sie mehr als sonst in Gefahr? Sind Ihnen besondere Würdeverluste oder Entwürdigungen aufgefallen?

BIERI Ich habe über viele Jahre hinweg immer wieder Situationen erlebt, in denen ich auf besondere Weise aufgeschreckt bin. Dieses Aufschrecken, so schien mir, hatte jedes Mal etwas mit der Idee der Würde zu tun. Ich hatte das Bedürfnis, Ordnung in diese Erfahrungen zu bringen. Aus diesem Bedürfnis heraus ist das Buch entstanden.

PH Können Sie eine typische Situation nennen, bei der Sie aufschrecken?

BIERI Vor allem schrecke ich auf, wenn ich Leute sehe, die Abhängigkeit und Ohnmacht erleben müssen. Leute also, die gedemütigt werden und um etwas betteln müssen. Aber es erschreckt mich auch, wenn Intimität zerstört…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2013: Unsere inneren Stimmen
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