Warum wir mehr spielen sollten

Wenn wir spielen, trainieren wir unser Gehirn für unerwartete Situationen, schaffen die Voraussetzung für Kreativität – und schützen uns vor Stress.

Drei junge Frauen spielen an einem Strand Beachvolleyball
Erwachsene treiben Sport, weil es Spaß macht, aber wir tun es auch der Gesundheit zuliebe. © Chris Tobin/Getty Images

Spielen ist eine auf den ersten Blick nutzlose Beschäftigung – und manchmal sogar gefährlich. Wer spielt, übersieht möglicherweise Gefahren. Warum hat die Evolution dieses Verhalten nicht aussterben lassen? Experten geben eine klare Antwort: Weil es zur Entwicklung des Gehirns beiträgt. Es ist kein Zufall, dass Tiere und Menschen in der Lebensphase am meisten spielen, in der sich das Gehirn am stärksten verändert, nämlich in der Kindheit. Wer Kinder beobachtet, der sieht, dass sie vieles auf spielerische Weise lernen: Laufen und Sprechen, einfache Naturgesetze wie: Dinge, die man loslässt, fallen immer nach unten und wie viele Bauklötze sich aufeinanderschichten lassen. Auch die Bindung zu den Eltern bauen sie oft in Form kleiner Spiele auf: Sie verstecken sich, singen mit den Erwachsenen, toben herum und so weiter. Spielen, so der Psychiater Stuart Brown, Leiter des National Institute for Play im kalifornischen Carmel Valley, ist ein „tiefgreifender biologischer Prozess“.

Spielen macht Lebewesen klüger und anpassungsfähiger, und zwar in vielfältiger, nicht immer offensichtlicher Weise. So lernen Kinder im Spiel mit anderen den Unterschied zwischen freundschaftlichem Necken und verletzendem Verhalten, sie erkennen, wann sie (oder andere) eine Grenze überschreiten und wie man sich wieder verträgt, wenn dies geschehen ist. Oder wie Peter Gray, Entwicklungspsychologe am Boston College in den USA, es formuliert: „Menschen, die das Gefühl bekommen, dass beim Spielen ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden, hören auf, und darum lernen Kinder im Spiel, für die Bedürfnisse anderer sensibel zu sein und sich zu bemühen, diese zu erfüllen. Durch soziales Spielen lernen Kinder ganz von selbst, ohne Belehrung, wie sie ihren eigenen Bedürfnissen gerecht werden können, während sie gleichzeitig denen von anderen genügen.“ Gray bezeichnet Spielen deshalb als die „demokratischste aller Aktivitäten“.

Warum Kinder herumtoben müssen

Eine besondere Rolle kommt dabei dem sogenannten rough and tumble play, dem Herumbalgen zu. Mit diesem haben sich Sergio und Vivien Pellis in ihrer Forschung beschäftigt. Sie arbeiten an der University of Lethbridge, Alberta und berichten über ihre…

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