Frauen und ihre Väter

Väter sind die ersten Männer im Leben von Frauen und damit prägend. Manche hadern lebenslang mit ihrem Vater. Welche Spuren hinterlassen Väter?

Die Collage zeigt einen Vater, der mit seiner kleinen Tochter auf einem roten Sofa sitzt und ihr aus einem Buch vorliest.
Die Beziehung zwischen Vater und Tochter kann sehr unterscheidlich sein – und ist doch immer prägend. © Luisa Stömer

An manchen Tagen war es am sichersten, den Vater gar nicht anzuschauen. Wenn er von der Arbeit kam, war er oft schlecht gelaunt und verschwand sofort in der Garage, um an seinem alten Mercedes zu basteln. Ansprechen durften ihn dann weder Mutter noch Tochter; wer ihn störte, riskierte einen Wutanfall. Nur der ältere Bruder durfte hin und wieder hinein, um zu helfen.

Die kleine Karin blieb ein Mutterkind, musste sich früh von der Idee verabschieden, den Vater für sich gewinnen zu können. „Als Mädchen hatte ich das Gefühl, für meinen Vater unsichtbar zu sein“, erinnert sich Karin Gercke heute als 62-Jährige. „Er war für mich völlig unzugänglich. Jetzt würde ich ihn als depressiven Eigenbrötler beschreiben. – Trotzdem hat mein Vater mich immer stark beschäftigt, unter anderem weil er so eine Leerstelle hinterlassen hat.“

Die verschiedenen Rollen des Vaters

Ganz anders bei Mareike Koch, die ebenso wie Karin Gercke in Wirklichkeit anders heißt. Die inzwischen 35-Jährige hat eine innige Beziehung zu beiden Eltern. Zwar war die Mutter, eine Lehrerin, in ihrer Kindheit mehr zu Hause als der Vater. Trotzdem war dieser immer bemüht, in seiner Freizeit möglichst viel mit seiner Tochter und auch den beiden Söhnen zu unternehmen. Er ging mit ihr am Wochenende zum Schwimmunterricht und las ihr abends vor, fuhr später zu allen Punktspielen ihrer Fußballmannschaft. Als sie studierte, lernte er mit ihr für die Prüfungen. „Beide Eltern haben mich immer total unterstützt“, sagt Mareike Koch. „Und das ist nach wie vor so. Mein Mann und ich renovieren gerade ein Haus. Und wer ist fast jedes Wochenende mit uns auf dem Bau? Mein Vater.“

Väter. Sie füllen ihre Rolle äußerst unterschiedlich aus. Viele sind mit Liebe und Engagement dabei. Andere wiederum kommen nicht zurecht mit der Verantwortung, fühlen sich überfordert von der neuen Rolle oder werden durch Mütter ausgebremst. Aber ob engagiert oder ablehnend, ob liebevoll…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2021: Frauen und ihre Väter
Psychologie Heute Compact 64: Trauer und Verlust
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