Auf Augenhöhe zu Medizinern

Als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ringt Jürgen Margraf um den Stellenwert der Psychotherapie im Gesundheitswesen.

Die Illustration zeigt einen roten und einen grünen Kopf mit verbindenden Strömungen
Jürgen Margraf kämpft als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie um die angemessene Position der Psychotherapie im Gesundheitswesen © DrAfter123/Getty Images

Psychologie Heute Herr Professor Margraf, Sie sind Burrhus F. Skinner, einem Mitbegründer des Behaviorismus, noch persönlich begegnet. Ist das für einen jungen Verhaltenstherapeuten so etwas wie ein Erweckungserlebnis?

Jürgen MARGRAF Eine hübsche These, aber ich muss Sie enttäuschen. Obwohl ich ihm, genau genommen, sogar zweimal begegnet bin. Zuerst als Gymnasiast der 11. Klasse, als ich über seinen utopischen Roman Walden Two ein Referat gehalten habe. Nur habe ich da noch lange nicht an Verhaltenstherapie gedacht. Viel später dann, in den achtziger Jahren, habe ich ihn bei einem Vortrag erlebt. Er war ja selbst nie Therapeut, aber er hat vor Kollegen darüber gesprochen, was die Psychologie zu den großen Themen der Zeit zu sagen hat. Oder besser: zu sagen haben sollte. Überbevölkerung, Krieg, Frieden, solche Sachen. Das war auch sehr interessant. Ich denke nämlich, die akademische Psychologie hat sich da bislang noch viel zu wenig engagiert. Und sie sollte es sehr viel entschiedener tun! Sie hat längst das Zeug dazu: einen riesigen Fundus an Erkenntnis über Bedingungen und Konsequenzen von Erleben und Verhalten. Nur spielen in meinen Augen der Behaviorismus und Skinners soziale Utopien dabei eine eher historische Rolle. Da sind wir heute deutlich weiter. Und die Weichen für meinen eigenen Lebensweg – die wurden in ganz anderen Situationen gestellt.

PH Nämlich?

MARGRAF Zu viele, um sie aufzuzählen. Aber wenn Sie Skinner ansprechen: Da war zum Beispiel Leonard Krasner, auch ein Behaviorist der alten Schule. Der hatte mal geschrieben, ein Verhaltenstherapeut sei eigentlich nichts anderes als eine social reinforcement machine, also eine…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2013: Versteh mich doch!
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