Sei doch nicht so zynisch!

Zyniker sind chronisch misstrauisch, vermuten überall böse Hintergedanken und böse Absichten. Wie findet man heraus aus dieser destruktiven Haltung?

Zynismus: ein selbst gebautes Gefängnis. © Michael Szyszka

Sei doch nicht so zynisch!

Zyniker sind chronisch misstrauisch. Sie glauben nicht an „das Gute im Menschen“, vermuten überall Hintergedanken und böse Absichten. Das stresst – vor allem die Zyniker selbst. Sie führen ein freudloses, ungesundes, oft nicht einmal materiell erfolgreiches Leben. Wie findet man heraus aus dieser destruktiven Haltung?

Da hatte sich einer von allen Annehmlichkeiten des Lebens losgesagt und eine Tonne zum Wohnort gewählt. Von dem mächtigsten Mann der Welt angesprochen, trug er einen einzigen Wunsch vor: Er möge ihm doch aus der Sonne gehen. Diogenes von Sinope hieß der Tonnenbewohner, und wir kennen ihn noch 2500 Jahre später. Was fasziniert uns an Diogenes? Sein Mut, Alexander dem Großen mit dieser Provokation zu begegnen? Die innere Freiheit, die aus seiner Antwort spricht? Oder schlicht die Coolness, dem Herrscher gleichsam den gestreckten Mittelfinger entgegenzuhalten?

Was die Sympathie für Diogenes deutlich erleichtert: Er wohnt nicht in unserer Nachbarschaft. Er ist auch kein Kollege, mit dem wir ein nächstes Projekt erfolgreich absolvieren sollen. Und als Freund wünschen wir uns auch eher jemanden, der seinen Mitmenschen freundlich und nicht mit demonstrativer Verachtung entgegentritt. Die Zyniker unter unseren Zeitgenossen – benannt nach der antiken Philosophenschule der Kyniker, zu deren wichtigsten Vertretern Diogenes zählte – sind jedenfalls alles andere als beliebt.

Schon der Name der philosophischen Denkrichtung dokumentiert die Stellung am Rande der Gesellschaft: Er ist abgeleitet von kyon, Hund, den wir uns nicht als Hofhund, sondern als Streuner vorstellen müssen. Seinen Mitmenschen galt der Kyniker, wie es in einer Monografie heißt, „als…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2018: Akzeptieren, wie es ist
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